Änderungen im BAföG zum Wintersemester 2016/17

Bereits Ende des Jahres 2014 beschloss der Bundestag eine kräftige Anhebung des BAföG auf monatlich bis zu 735 €. Darüber hinaus wird das Einkommen der Eltern erst ab einer höheren Summe berücksichtigt, so dass sich auch bei mittleren Einkommen  die Chancen auf das BAföG deutlich erhöhen.

Die Umsetzung erfolgt zum  – bald vor der Tür stehenden – Wintersemester 2016/17.
Es lohnt sich deshalb für alle Studierenden, zeitnah einen Antrag zu stellen.

Was ändert sich durch die neuen Regelungen zugunsten der Studierenden

Einen Überblick geben die folgenden Informationen:

1. Kräftige Anhebung der BAföG-Sätze

Die BAföG-Sätze für Studierende steigen deutlich an. Lag der Höchstsatz für Studierende ohne Kind bisher bei monatlich 670,00 €, wird er zukünftig 735,00 € betragen. Der neue Höchstbetrag setzt sich zusammen aus:

Grundbedarf399,00 € (bisher 373,00 €)
Unterkunftspauschale für nicht bei
den Eltern wohnende Studierende
250,00 € (bisher 224,00 €)
Krankenversicherungszuschlag71,00 € (bisher 62,00 €)
Pflegeversicherungszuschlag15,00 € (bisher 11,00 €)

 

 

Für Studierende, die noch bei ihren Eltern wohnen, liegt der neue Höchstsatz bei 537 €.

2. Anhebung des Kinderbetreuungszuschlages

Studierende, die mit eigenen Kindern unter 10 Jahren in einem Haushalt leben, können zusätzlich einen Kinderbetreuungszuschlag beantragen. Dieser belief sich bisher auf monatlich 113,00 € für das erste und 85,00 € für jedes weitere Kind. Ab dem Wintersemester 2016/17 erhöht sich dieser Zuschlag auf 130,00 € für jedes Kind.

3. Auswirkungen

Die Auswirkungen dieser Änderungen sollen an folgenden Beispielen deutlich gemacht werden:

3.1. „Normalfall“

Die meisten Studenten wohnen nicht mehr bei ihren Eltern, sind familienversichert und haben (noch) keine Kinder. Für diese ermittelt sich der BAföG-Satz wie folgt:

Grundbedarf: 399,00 € (bisher 373,00 €)
Unterkunftspauschale: 250,00 € (bisher 224,00 €)
Gesamtbedarf: 649,00 € (bisher 597,00 €)
Der BAföG-Satz steigt damit ganz erheblich, und zwar um  9,2 %.

3.2. Studierende mit Kind  und eigener Krankenversicherung

Eine Studierende wohnt nicht mehr bei ihren Eltern, ist selbst gesetzlich (und damit kostenpflichtig) kranken- und pflegeversichert und lebt mit ihren beiden, 3- und 5-jährigen  Kindern in einem Haushalt. Es ergibt sich folgender BAföG-Satz::

Grundbedarf: 399,00 € (bisher 373,00 €)
Unterkunftspauschale: 250,00 € (bisher 224,00 €)
Krankenversicherungszuschlag: 71,00 € (bisher 62,00 €)
Pflegeversicherungszuschlag: 15,00 € (bisher 11,00 €)
Kinderbetreuungszuschlag Kind 1 : 130,00 € (bisher 113,00 €)
Kinderbetreuungszuschlag Kind 2 : 130,00 € (bisher    85,00 €)
Gesamtbedarf: 995,00 € (bisher 868,00 €)

4. Anhebung der Freibeträge

Die individuelle Höhe des BAföG   hängt von eigenem Einkommen und Vermögen von Studierenden sowie – im Regelfall – vom Einkommen der Eltern ab. Die Grenzen, ab denen Einkommen und Vermögen angerechnet werden, steigen deutlich an. Auf diesem Wege erhalten mehr Studierende als bisher BAföG.

4.1. Freibeträge für Studierende

Im Rahmen eines studentischen Nebenjobs dürfen Studierende zukünftig im Durchschnitt 450 € monatlich hinzuverdienen (bisher ca. 400 €), ohne dass dies Auswirkungen auf den BAföG-Anspruch hat.
Die Grenze für die Vermögensanrechnung wird angehoben. Wurde der Förderungsanspruch  bisher ab einem Vermögen von 5.200,00 € gemindert, ist in Zukunft erst ab einem Vermögen von 7.500,00 € eine Anrechnung auf den BAföG-Satz vorgesehen.

4.2. Freibeträge für die Eltern

Das elterliche Einkommen spielt bei vielen Entscheidungen die Hauptrolle, ob und in welcher Höhe ein Anspruch auf BAföG besteht. Vom  BAföG-relevanten Nettoeinkommen werden zukünftig für die Lebenshaltungskosten  monatlich 1.715 € (statt bisher 1.605 €) bei miteinander verheirateten Eltern abgezogen. Bei nicht miteinander verheirateten Eltern sind es  je 1.145 € (statt bisher  1.070 €). Außerdem werden vom Einkommen der Eltern  für  unterhaltsberechtigte Geschwister 520 € statt bisher 485 € abgezogen.

Konkret bedeutet das:  

Beispiel 1

Die Eltern sind miteinander verheiratet. Der Vater ist  Arbeiter mit einem Jahresbruttogehalt von 25.000 €. Die Mutter arbeitet als Angestellte und erzielt ein Bruttogehalt von 30.000 €.  Sie zahlen zusammen 8000 € Steuern im Jahr. Neben dem Studierenden gibt es noch ein weiteres Kind, welches noch  die Schule besucht und keine eigenen Einnahmen hat.
Zukünftig werden mtl. 260,40 € statt bisher 323,66 € vom Einkommen der Eltern angerechnet. Der Studierende bekommt dann mtl. 389 € statt bisher 273 €.
Die individuelle Förderung steigt damit um über 42 %!

Beispiel 2

Die Eltern sind miteinander verheiratet. Beide sind selbständig. Der Vater erzielt positive Einkünfte in Höhe von 60.000 €, die Mutter in Höhe von 20.000 € pro Jahr. Steuern (einschließlich der Gewerbesteuer) werden in Höhe von 15.000 € gezahlt. Außerdem gibt es eine Schwester, die noch die Schule besucht und keine eigenen Einnahmen hat.
Zukünftig werden mtl. 321,86 € statt bisher 433,50 € vom Einkommen der Eltern angerechnet. Der Studierende bekommt dann mtl. 327 € statt bisher 164 €.
Die individuelle Förderung ist fast doppelt so hoch wie vorher!

Beispiel 3

In diesem Beispiel sind die Eltern geschieden. Der Vater hat als Selbständiger positive Einkünfte von jährlich 25.000 € und zahlt hierauf 2800 € Steuern. Die Mutter ist Beamtin, erzielt positive Einkünfte von 33.000 € im Jahr und ist in Höhe von 4800 € steuerpflichtig. Geschwister sind nicht vorhanden.
Zukünftig werden monatlich 396,25 € statt bisher 443,46 € vom Einkommen der Eltern angerechnet. Der Studierende bekommt dann mtl. 253 € statt bisher 154 €.
In diesem Beispiel liegt der neue Förderungsbetrag um mehr als 64 % höher!

Beispiel 4

Vater ist Angestellter mit 31.000 €, Mutter ebenfalls Angestellte mit 26.000 € Bruttoeinkommen im Jahr. Beide sind verheiratet und zahlen im Jahr 9000 € Steuern. Der studierende Sohn ist Einzelkind und bekam bisher wegen des Einkommens der Eltern kein BAföG.
Zukünftig erhält er mtl. 76 € und muss wegen des BAföG-Bezuges keinen Rundfunkbeitrag (bekannt auch unter GEZ-Gebühr) zahlen. Der finanzielle Vorteil durch die BAföG-Neuregelung liegt damit bei  1.122,00 € im Jahr!

 

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